Budo-Camp auf Schloss Veldenz
Anlässlich des diesjährigen Budo-Camps auf Schloss Veldenz fanden sich 39 Budoka in unserer altehrwürdigen Trainingsstätte an der Mosel ein. Auch dieses Jahr bereicherten einige junge Nachwuchssportler unsere Gemeinschaft.
Donnerstag
Nach der Begrüßung sowie der Vorstellung der Referenten startete das Training traditionsgemäß mit einer Einheit Jiu-Jitsu bei Dr. Heinrich Schorn (8. Dan und Prüfungswart des DFJJ). Heinz stellte die Taisabaki-no-kata vor, welche zur Schulung korrekter Körper- und Ausweichbewegungen gedacht ist. Diese Ausweichbewegungen stellen ein fundamentales Prinzip
vieler Kampfkünste dar, werden jedoch zu selten sorgfältig betrachtet.
Ebenfalls traditionsgemäß folgte eine Einheit Modern Arnis bei Peter Rutkowski (6. Dan, Lakan Anim). In dem stimmungsvollen Ambiente des Rittersaals übten die Anwesenden die Anwendung von Hebel und Entwaffnungen, sowohl waffenlos als auch mit einem Kurzstock. Dies geschah jeweils wechselseitig in fließenden Drills, sodass man alle Techniken dynamisch aus der Bewegung üben konnte. Darauf aufbauend wurden Kontertechniken eingearbeitet.
Freitag
Der zweite Tag begann mit Kenjutsu. Achim Vennemann, der bereits seit 1995 als unser Schwertmeister auf Schloss Veldenz fungiert, unterrichtete eine Kumitachi, was wörtlich „Begegnung der Schwerter“ bedeutet. Hierbei handelt es sich um eine praxisorientierte Partnerform, in welcher erfahrene Kenjutsuka mögliche Gefechtsszenarios erarbeiten und üben. Keine leichte Aufgabe für Achim, denn die Teilnehmenden verfügten über sehr unterschiedliche Vorkenntnisse im Umgang mit dem Schwert und bei vielen musste er ganz am Anfang bei der richtigen Schwerthaltung anfangen.
Als nächstes folgte eine Einheit bei Christian Busch (4. Dan), der sich dem oftmals etwas vernachlässigten Thema der Atemi-waza – oftmals auch als „Karate-Techniken“ bezeichnet – widmete. Christian zeigte gekonnt, wie wichtig Atemi-waza im Jiu-Jitsu, aber auch, wie nützlich sie für die Selbstverteidigung sind.

Nach der Mittagspause bekamen unsere Körper ein paar Stunden Ruhe und Erholung – stattdessen wurden unser handwerkliches Geschick und Fingerfertigkeit geschult, nämlich bei einem weiteren Workshop in der Lederbearbeitung.
Michael Allenstein, der seit mehreren Jahren diese begehrten Workshops anbietet. Dieses Jahr fertigten die Teilnehmenden Lederetuis an, die sich als Schutzhülle für den Budopass oder Reisepass samt Stifthalter eignen. Wie üblich hatte Michael sehr viel Arbeit in die Vorbereitungen investiert und half auch vor Ort bereitwillig, um jedem noch so ungeschickten Handwerker zum Erfolg zu verhelfen, was viele dankbar annahmen.
Samstag
Auch der Samstagvormittag blieb traditionsgemäß: zunächst gab es eine Einheit Aikijutsu bei Adam Kraska (7. Dan Jiu-Jitsu, 4. Dan Aikijutsu), danach eine Einheit Brazilian Jiu-Jitsu bei Patrick Neumann (5. Dan Jiu-Jitsu, 1. Dan BJJ).
Zum Aufwärmen gab Adam den Teilnehmenden die Gelegenheit, die nützlichsten zwei Techniken aus seinem Unterricht im vergangenen Jahr zu wiederholen und zu verfeinern, was einige Anwesende sehr zu schätzen wussten. Danach griff er das Thema Taisabaki, also Ausweichbewegungen und Körperdrehungen auf, welches bereits Heinz angesprochen hatte, und vertiefte dieses. Da die Taisabaki im Aikijutsu eine wesentlich prägnantere Rolle spielen konnten die Jiu-jitsuka hiervon profitieren.
In der folgenden Einheit verlagerte Patrick den Fokus vom Kampf im Stand zum Bodenkampf, auf welchen sich das BJJ spezialisiert hat. Nun galt es Ausweichbewegungen und Körperbeherrschung – sowohl des eigenen als auch des gegnerischen Körpers – zu üben. Dies erforderte sehr viel Konzentration auf viele wichtige Aspekte, auch um falsches Verhalten zu vermeiden und forderte so den Budoka geistig wie körperlich einiges ab. Die darauffolgende Mittagspause wurde also von allen begrüßt.
Im Anschluss folgte die zweite Einheit Modern Arnis bei Peter Rutkowski. Diese fand nun an der frischen Luft vor der Burg statt und widmete sich einer Doppelstock-Kata. Das Ausweichverhalten und die Bewegungen in dieser Form verliefen – dem chinesischen Baguazhang ähnlich – kreisförmig, womit ein weiterer Aspekt zu der Thematik der Ausweichbewegungen/Taisabaki hinzukam. Die Koordination der Schritte mit der Benutzung von zwei Waffen forderte den Teilnehmenden sehr viel Konzentration und Feinmotorik ab.
D
ie nächste Trainingseinheit leitete Thomas Allenstein (8. Dan und technischer Direktor unseres Verbandes). Diese nutzte er, um die Taijutsu-no-kata, welches für den 3. Dan erlernt werden muss, schrittweise zu erarbeiten. Thomas zerlegte den Ablauf in kurze Sequenzen und ließ die Würfe vorerst weg, um seinen Unterricht auch für die Kyu-Grade zugänglich zu machen. Auf diese Weise profitierten alle Anwesenden von seiner Einheit, vom Weißgurt bis zum 7. Dan. Anschließend konnten Interessierte entweder Bogenschießen oder sich mit Wurfäxten versuchen, was großen Anklang fand. Traditionsgemäß endete der Samstag mit der Lehrgangsparty, leckerem Essen, feuchtfröhlicher Stimmung und jeder Menge guter Laune.
Sonntag
Die Haupttrainingseinheit leitete wie gewohnt Achim und widmete diese dem Unterricht von Seitaigata – den standardisierten Formen des Iaido. Das Training fand wie seit jeher auf der Wiese unterhalb des Turms statt, weswegen diese bereits seit vielen Jahren als „Iaido-Wiese“ bekannt ist. Erfreulicherweise fanden sich auch viele Nachwuchs-Jiu-Jitsuka zu dem Training ein. Als Alternative für „Schwertmuffel“ bot Claudia von Lipinski auf der Wiese neben der Blide eine Einheit Qigong an. Dann hieß es nur noch packen, aufräumen und nach der offiziellen Verabschiedung die Heimreise antreten – erschöpft, aber glücklich!


Der DFJJ NRW e.V. verpflichtet sich für das LSB Qualitätsbündnis zum Schutz gegen Gewalt.